BMW 330e im spießigen Alltagstest

Vorweg: Ich habe, seit dem wir im Eigenheim wohnen, großes Interesse an elektrischen Lösungen, was die Fortbewegungsmittel anbelangt. Sei es vollektrisch oder mittels Plugin-Hybrid unterwegs zu sein, ich bin der Meinung, dass die Vorteile der Konzepte erst zum vollen Tragen kommen können, wenn man Hausbesitzer ist und an seiner Stellfläche für Strom sorgen kann. Noch effizienter wird das Ganze, wenn auch noch diese Steckdose fürs Auto von Photovoltaik-Panele gespeist wird. Aber egal, hier soll es nun konkret um einen Alltagstest des BMW 330e gehen. Dem Familienhybrid aus Bayern.

Bei meinem Händler des Vertrauens habe ich vor geraumer Zeit schonmal angemerkt, dass ich den ersten Plugin-Hybrid der BMW 3er Reihe gern mal antesten möchte. Lange Zeit ergab sich einfach keine Möglichkeit, doch die Beharrlichkeit der Sachbearbeiterin (immer wieder bei mir nachzufragen), zahlte sich aus. Randnotiz: Das Fahrzeug ist nicht im Besitz des Händlers, sondern wird direkt von BMW bereitgestellt, was zur Folge hatte, dass eine Probefahrt erst möglich ist, wenn das OK fürs Zeitfenster aus München kommt. Dafür allerdings hatte ich allerdings ein komplettes Wochenende Zeit, das Auto zu testen.

Und ja, München – respektive BMW – macht es einem sehr einfach, sich in das Auto zu verlieben. Ein vollausgestatteter 330e lachte mich an und zog mich förmlich auf den Fahrersitz. Die Limousine mit all den Extras ist zwar sündhaft teuer, macht aber auch höllisch viel Spaß. Für die, die gerne technische Details hören wollen, hier mal ein kleiner Auszug: Adaptive Bi-Xenon Scheinwerfer, Spurhalteassisten, Sportautomatik, HUD, Speedlimit-Info, Navigationssystem Business. Summa Summarum stand da ein 67.299,- Euro teures Fahrzeug vor meiner Nase.

Den Fahrgenuss bei BMW kenne ich zu genüge, dass der mit mehr Leistung und auch mehr Spielereien steigt, ist für jeden ersichtlich, doch wie sieht es mit den Alltagswerten aus? Taugt der 330e als geeignete Ablösung für eine herkömmlich mit Diesel oder Benzin angetriebene Kutsche? Die Antwort für alle, die nicht weiterlesen wollen: Teilweise!

Kommen wir zum elektrischen Teil des Hybrids. Mittlerweile dürfte das Konzept auch die letzten Winkel der Republik erreicht haben: Ein Pluginhybrid kombiniert beides in einem, den Steckdosenantrieb und konservative Verbrennungstechnik. Augenscheinlich soll damit nicht etwa der Verbrenner abgelöst, sondern der Spritverbrauch gesenkt werden. Das klappt auch, aber leider nur bis zu einem gewissen Grad.

BMW gibt den Verbrauch, wie im Screenshot zu sehen, mit 2,1 bis 1,9 Liter auf 100km an … Absolut unrealistisch. Der Wert, nach meiner Erfahrung bewegt sich eher im Bereich um die 5.5 Liter auf 100km. Das liegt schlicht daran, dass die Batterie für den Elektroantrieb – ohne Aufladung – nur ca 30 bis 40km hält. Wählt man den rein elektrischen Betrieb sind natürlich sogar 0,0 Liter möglich, aber das ist unrealistisch, da man eher im Automatikmodus fährt, in dem das Auto entscheidet, wann es Sinn macht elektrisch zu fahren, mit Verbrenner zu düsen oder aber den Verbrenner zu nutzen, um den Akku wieder aufzufüllen.

Jetzt muss man sich nichts vormachen, 5.5 Liter im Stadtverkehr mit einem 2 Liter Benziner ist ein guter Wert. Vor meiner Nase steht aber ein 320d als Touring, den fahr ich mit dem gleichen Verbrauch, fahr damit eine längere Strecke und bezahle weniger an der Tankstelle (zumindest noch Anno 2017).

Dazu kommt die lange Ladezeit, wenn man nur eine 220V Steckdose zum Laden nutzt. Es dauerte bei mir geschlagene 4h, um 50% in den Akku zu pumpen. Idealerweise lädt man an einer solchen Steckdose das Fahrzeug über Nacht, um möglichst wieder auf 100% zu kommen. Aber, das muss fairerweise erwähnt sein, mit Starkstrom geht die Sache sicherlich fixer. Und noch viel schneller geht es, wenn man über den Verbrenner und die Rekuperationsmöglichkeit den Saft ins Auto bringt: Bei 15 Minuten Stadtverkehr konnte ich 20% der Batterie zurückgeben. Das ist schon ordentlich. Allerdings, wie erwähnt, auch zu Lasten des Gesamtverbrauchs.

Hier mal zwei Alltagsszenarien, die ich durchgegangen bin. Ich bin mit 60% Akku gestartet, habe die Power des Fahrzeugs ausgenutzt, wo es auch ging. Das heißt hier und da mal etwas schneller und rasanter angefahren, oder zügiger auf die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit beschleunigt. Ich hab zwischenzeitlich auch den Verbrenner direkt den Akku laden lassen. Bin dabei eine gute Dreiviertelstunde unterwegs gewesen, mit 75% Stadtverkehr und 25% Landstraße. Den Akku habe ich dabei auf 7% gesenkt, hatte einen Verbrauch von 4.6 Liter und 12.0 kWh auf 100 km.

Beim zweiten Szenario hat das Fahrzeug über Nacht auf 100% geladen und um 7:15 Uhr habe ich die Standheizung für 15 Minuten laufen lassen. Danach war der Akku bei 88%, meine Fahrt betrug gute 6km zum Bäcker und zurück. Ich bin dabei komplett ohne Verbrenner gefahren und hab den Akku somit auf 53% herunter gebracht. Jupp, da muss man kein schlechtes Gewissen mehr haben, mit dem Auto Brötchen zu holen.

Zusammengefasst über das gesamte Wochenende standen somit 5,4 Liter und 4,7 kWh pro 100km auf der Uhr. Das bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 43 km/h.

Mein Fazit: Ich würde mir den Wagen nicht kaufen, ginge es mir um eine Senkung des Verbrauchs. Die ist in meinen Augen im Alltag zu gering. Kombiniert mit einem deutlich kleineren Tank, als beim herkömmlichen 330i (41 Liter zu 60 Liter), ist die e-Variante als Kombination aus Familienkutsche und Reisefahrzeug ungeeignet. Will ich aber mein Gewissen beruhigen und mir sagen können, ich täte was für die Umwelt, dann ist das Fahrzeug genau das Richtige. Nimmt man dazu das zweite, viel schwerer wiegende Pro-Argument des Fahrspaßes und hat zusätzlich das benötigte Kleingeld in der Tasche, wollen Mama oder Papa sicherlich jede Möglichkeit nutzen, um die Kutsche rollen zu lassen, sei es rein elektrisch oder automatisch kombiniert. Die 8-Gang Automatik, die aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop and Go Funktion, das HeadUp Display oder einfach nur das M-Sportpaket machen einfach Spaß. Das mag der ein oder andere nicht so empfinden, wir waren jedenfalls begeistert.

Dennoch, das Auto würde ich mir noch nicht holen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Kombination aus Elektroantrieb, geladen durch die hauseigene Photovoltaik Anlage, genau die Kombination der Zukunft ist. Aber solange ein Elektrofahrzeug, egal ob Hybrid oder vollelektrisch, nicht mindestens 700km Reichweite mit sich bringt, fällt mir die Wahl dafür schwer. Zumal im Falle des 330e der Verbrauch nicht signifikant geringer ist, als bei einem Diesel. Dass die Ingenieure der Autobauer der Welt aber daran arbeiten, Effizienz und Ökonomie der Triebwerke zu verbessern, davon bin ich überzeugt. Dass meine Ansprüche früher oder später erfüllt werden, auch daran habe ich keine Zweifel. Momentan ist der 330e aber keine Alternative zu einem BMW 320d.

“Ja, aber Freundchen, der 330e hat ja auch 252 PS, wohingegen der 320d nur 190 PS hat!”, werdet ihr sagen. Das mag korrekt sein, sobald allerdings der Elektromotor nicht mehr zuschlagen kann, stehen auch dem 330e nur noch 190 PS aus dem Benziner zur Verfügung, denn immerhin handelt es sich hier um das Aggregat aus dem 320i. Und damit ist der Vergleich solide und durchaus gut getroffen.

Am Ende muss sich jeder selbst entscheiden. Ich werde weiterhin das Treiben bei BMW verfolgen, egal ob i3, 330e oder sonstige zukünftige Fahrzeugvarianten. Mein Interesse bleibt ungebrochen und ich werde sicherlich noch den ein oder anderen Test machen, bevor ich einen Fahrzeugwechsel durchziehen würde.

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